Gastvortrag von Claudia Cusumano in 'Mensch-Computer Interaktion'
Wie sieht der Alltag eines Usability Engineers/Interaction Designers aus? Welche Inhalte des Medieninformatik-Studiums sind für diese Querschnittstätigkeit besonders relevant?
Diese Fragen beantwortete Claudia Cusumano, Interaction Designerin bei der User Interface Design GmbH (UID) in Ludwigsburg, in Ihrem Gastvortrag vor Studierenden des Moduls "Mensch-Computer Interaktion" von Prof. Dr. Gerhard Hartmann am 30.06.2010.
Frau Cusumano hat ihren Bachelor- und Masterabschluss im Studiengang Medieninformatik an der Fachhochschule Köln erworben und sich schon während ihres Studiums auf die Bereiche Usability Engineering und Interaction Design spezialisiert. Neben vielen Fragen zur Berufspraxis und den Kompetenzen eines Usability Engineers stellten die Hörer auch Fragen zu Berufsperspektiven. Auch nach dem Vortrag stand Claudia Cusumano noch für mehr als eine Stunde weiteren interessierten Nachfragen zur Verfügung.
Wie empfanden Sie den Einstieg/die Einarbeitung in den Job direkt nach dem Studium?
Eine Herausforderung stellt sicherlich die Projektvielfalt bei UID dar - aufgrund der unterschiedlichen Branchen, der verschiedensten Systemen und der diversen Technologien. Grundsätzlich ist es so, dass man sofort in den Projekten mitarbeitet. Im Falle von Workshops (z.B. Konzeptvorstellungen beim Kunden) fährt man beispielsweise anfangs mit einem erfahreneren Usability Engineer zum Kunden. Natürlich unterscheiden sich die Projekte in ihrer Komplexität.
Fühlten Sie durch das Studium gut auf den Job vorbereitet?
Ein eindeutiges "Ja". Sicher, die Praxis unterscheidet sich immer ein wenig von der Theorie. Aber insgesamt empfinde ich uns Medieninformatik-Absolventen als sehr gut (aus-)gerüstet (in methodischer, praktischer und technischer Hinsicht).
An welchen Projekten waren Sie bisher beteiligt? Sind Sie zeitgleich in mehreren Projekten aktiv?
Bisher habe ich bei UID in allen der sechs Branchen (Automotive, Consumer, Enterprise, Industry, Medical & Pharma, Web) mitgearbeitet. Abhängig von der Projektkomplexität, arbeitet man häufig an mehreren Projekten gleichzeitig und im Team (bestehend aus weiteren Interaction Designern/Usability Engineers, Designern und Entwicklern).
Was sind Ihre genauen Tätigkeiten in den Projekten?
Die Tätigkeiten können von Projekt zu Projekt sehr unterschiedlich sein. Bisher habe ich verschiedenste Methoden der benutzer-zentrierten Gestaltung anwenden können: z.B. Nutzungskontextanalyse, Experten Evaluation, Interaktionskonzept, User Interface Patterns/Patterndesign, Personas, Usability Test. Aber auch die enge Zusammenarbeit mit den übrigen Projektbeteiligten wie Entwicklern und Designern wird bei UID sehr groß geschrieben - vor allem unterstützt durch Anwendung von SCRUM, ein Vorgehensmodell der agilen Softwareentwicklung.
Welche Vorteile hat ein Informatikstudium für den Bereich Interaction Design?
Neben den Modulen "Mensch-Computer Interaktion" und "Interaction Design" empfinde ich vor allem die Informatik Skills als großen Vorteil: z.B. theoretische und praktische Kenntnisse in diversen Programmiersprachen (z.B. C, Java) und Software-Vorgehens- und Prozessmodellen (z.B. XP, RUP). Dadurch kann man sich viel besser in die Entwickler und deren Arbeit "eindenken" und weiß, welche Informationen wichtig für diese sind. Häufig sind auch UML-Kenntnisse gefragt (z.B. Aktivitätsdiagramme), um beispielsweise den Ablauf eines Anwendungsfalls zu verdeutlichen.
Welche Vorteile sehen Sie speziell im Masterstudium?
Ich sehe vor allem die geringe Anzahl an Studenten und die intensive Betreuung durch die Professoren als großen Vorteil; aber auch die Einarbeitung in wissenschaftliche Fragestellungen (ob eigenständig oder im Team). Mir persönlich haben außerdem die zahlreichen Seminarvorträge (inkl. Peer Reviews), die man vor seinen Mitstudenten hält, enorm geholfen, meine Soft Skills auf diesem Gebiet weiter auszubauen. Denn häufig schlüpfe ich als Interaction Designer in die Rolle des Consultant, trete vor dem Kunden und muss das Konzept vorstellen oder den Kunden einfach hinsichtlich Usability beraten.
Was verdient man als Interaction Designer?
Das darf ich natürlich nicht verraten ;-) Hier verweise ich aber gerne auf den „Branchenreport Usability 2009" der German UPA, der u. a. einen Gehaltspiegel gemessen an der zunehmenden Berufserfahrung enthält: http://germanupa.de/german-upa/branchenreport



